Update #10 – Juni

Für Dich schreibe ich heute daher einige Einsichten über die Vorbereitung und Durchführung einer solchen Versammlung und darüber welche Weichen wir für Nebelschütz noch stellen mussten.

karlkretschmer50

Liebes Mitglied, liebe(r) Leser(in),

der Juni ist immer ein besonders spannender Monat für unsere junge Genossenschaft und steht vollkommen im Zeichen der alljährlichen großen Generalversammlung. Für Dich schreibe ich heute daher einige Einsichten über die Vorbereitung und Durchführung einer solchen Versammlung und darüber welche Weichen wir für Nebelschütz noch stellen mussten. 

Viele Freude beim Lesen und vergiss nicht: schreib uns. *smiley*


Die Fakten auf einen Blick

1. Organisation einer demokratischen Veranstaltung

  • Vorbereitung Generalversammlung
  • Schwierigkeiten
  • Besonderheit: Willensfindung bei Permagold
  • Verspäteter Jahresabschluss durch neu aufzustellende Fortführungsprognose aufgrund Weiterentwicklung von Permagold

2. Ein zukunftsweisender Rahmen

  • In Nebelschütz findet Permagold: Rückhalt, konstruktive Hilfe, Willen, nötige Flexibilität
  • Nebelschütz hat langjährige enkeltaugliche Entwicklungsstrategie
  • In Nebelschütz können wir mit der Gemeinde wachsen
  • Dies war zuvor in Leckwitz nicht gegeben (ursprünglicher Standort)

3. Ein Hektar Permakultur-Plantage

  • 50.000 EUR pro Hektar Permakultur-Plantage inkl. Allem
  • In zwei Phasen (Herbst + Frühjahr) aufgebaut
  • Damit zwei Finanzierungsmeilensteine â 25.000 EUR
  • 1. Phase: Bodenvorbereitung, Bäume, Sträucher, Zaun
  • 2. Phase: Wasserretention, bodennahe Gewächse, Pflege, Berwirtschaftung
  • 5€ pro Quadratmeter dauerhafte Permagold Mischkultur-Plantage

4. News aus den Arbeitsgruppen


1. Organisation einer demokratischen Versammlung

Im Alltag läuft man bei aller Dynamik gern Gefahr aus der gestaltenden Arbeit ins reine lieblose, „abarbeiten“ zu kommen, so auch für mich. Besonders wichtig war daher der erste Schritt in der Vorbereitung unserer Generalversammlung – gemeinsam mit unserem Aufsichtsratsvorsitzenden Toni bin ich raus aus dem Büro und auf die grüne Wiese. Dort konnten wir das „abarbeiten“ ablegen und haben aus dem formal-juristischen Event Genossenschafts-GV, die partizipative, mitgestaltende und mit richtungsweisenden Entscheidungen bestückte Permagold  Generalversammlung designt. „Den Termin mussten wir zügig festlegen – Viele können sicher nicht – wie schaffen wir trotzdem Teilnahmemöglichkeit?“ = Live-Stream und Video-Aufnahmen ist die Lösung. Dank vieler Impulse von Bekannten aus der Dresdner Startup-Szene und einiger Recherche-Arbeit haben wir dann auch eine gute Low-Budget-Variante gefunden, die von immerhin 6 Leuten angenommen wurde. Agenturen bieten Live-Streams gern mal für 1.000 EUR pro Abend an, das ist in unserer aktuellen Phase nicht nur ausgeschlossen, sondern mit etwas Findigkeit auch nicht nötig. 

Gleichzeitig ist dies natürlich nur das Werkzeug und nicht der Zweck der Teilnahme – der Zweck ist die Mitgestaltungsmöglichkeit für unsere Mitglieder. Dafür mussten wir nicht nur den Rahmen, sondern auch die Impulse setzen. Die aktuellen Entwicklungen, Rückschau, Ausblick, Strategie etc. ausarbeiten und in der Agenda zusammenfassen. Neben den formal-juristischen Punkten, wie Beschluss über die Feststellung des Jahresabschlusses, also auch Diskussionspunkte vorbereiten. Das fiel allerdings nicht schwer mit unserem lebendigem Permagold, zumal auch bei mir als Vorstand im Lauf der Zeit viele Punkte auf die Liste kommen, wo ich Schwächen sehe, die nur die Generalversammlung in Stärken verwandeln kann. 

Viel schwieriger ist da schon der Jahresabschluss bei einem Risiko-Startup (wir sind noch kein etabliertes Unternehmen!), die Fortführungsprognose und konkreten Zielstellungen. Wie erklärt man denjenigen die auf Konstanz geschult sind, dass sich bei einem jungen Unternehmen binnen eines Monats – bei neuen Chancen – die komplette Prognose ändert? Genau hier liegt der Vorteil (Flexibilität!) und der Nachteil (externe Erwartungshaltung: mehrjährige exakte Konstanz) auch von Permagold. Wir sind konstant in unserem Ziel: die Agrarwende aus Bürgerhand. Hierfür nutzt Permagold die besten Chancen, die sich bieten und bleibt nicht an „Altem“ hängen. Dafür haben wir uns in den vergangenen zwei Jahren stark fortentwickelt und mit bspw. Nebelschütz einen komplett neuen Startort, neue Partner, neue Wachstumsbedingungen und neue Produktmöglichkeiten erschlossen – angepasst und entsprechend unserer Möglichkeiten.

Im Detail gibt es dann auch Aspekte, die nicht allein entschieden werden sollten und so kam die Strategiediskussion zu Nebelschütz in die GV, denn da benötigt die Geschäftsführung auch den Willen und Rückhalt der Mitglieder.

Apropos Nebelschütz….

2. Ein zukunftsweisender Rahmen

Eine kleine Rekapitulation zu Beginn. Als im November 2017 das Permagold-Funding startete gab es noch kein Projekt Nebelschütz, sondern die Möglichkeit einer 5 Hektar Permakultur-Plantage im sächsischen Leckwitz mit angeschlossenen Mietobjekten. Mit fortschreitender Projektentwicklung und der Entwicklung des Permagold Permakultur-Systems (ein wichtiger Bestandteil der Arbeit im letzten Jahr!) hat sich jedoch schnell abgezeichnet, dass das Projekt Leckwitz für unser erstes dauerhaftes Mischkultursystem, dass Landwirtschaft und Umweltschutz in sich vereint, nicht optimal geeignet ist. Denn damit wir nicht nur den nächsten Schritt, sondern auch die Schritte danach gehen können sind folgende Eigenschaften besonders relevant für die Rahmenbedingungen des Projekts: 

1. gesicherte Verfügbarkeit

2. Flexibilität im Wachstum

3. Rückhalt der Menschen vor Ort

4. Rückhalt der Gemeinde

All dies haben wir in Leckwitz nur teilweise erfüllen bzw. vorfinden können. Nicht allein über unsere Beiräte Thomas Noack und Andreas Kretschmer, sondern auch durch einen langjährigen Kontakt kam zuerst eher per Zufall Nebelschütz ins Gespräch. Schnell hat sich abgezeichnet, dass die Menschen aus der Gemeinde, als auch die Gemeinde selbst und nicht zuletzt Permagold, vor Ort den perfekten Rahmen findet für unser erstes Projekt. Nebelschütz kauft seit über 20 Jahren Flächen um die Gemeinde und vergibt sie für ökologische Landwirtschaft, um die Schadstoffbelastung in der Gemeinde zu senken. Die Bürger vor Ort haben es geschafft einen neuenKindergarten im sächsischen Land zu eröffnen, da sie Wollen und Machen kombinieren für ihre Kinder und Enkel. Nicht zuletzt ist Nebelschütz deshalb eine der sehr wenigen wachsenden(!) Gemeinden im Osten Deutschlands. Mit Thomas Noack, aber auch anderen, leben zudem vor Ort Menschen die bereits aktiv an und in Permakultur arbeiten. Wir also auf Menschen treffen, denen das Konzept nicht neu, sondern sogar wünschenswert ist. Je weiter die gemeinsamen Gespräche und die eigens initiierte „Arbeitsgruppe Nebelschütz“ von Permagold voranschritten, desto deutlicher wurde: wir müssen nicht sofort teuer Land und Immobilien kaufen, um zu starten. Nein, wir können in Nebelschütz mit hoher Sicherheit in kleinen Schritten und kleineren Kapitalbeträgen sukzessive wachsen. So können wir in Nebelschütz mit dem ersten wichtigen Hektar Permakultur-Plantage beginnen und gemeinsam mit der Gemeinde und den Menschen vor Ort wachsen. Nur so konnten wir auch das Finanzierungsziel von >200.000 EUR auf heute „kleine“ Meilensteine in 25.000 EUR Schritten für Nebelschütz senken. 

Diese, unsere Möglichkeit und dieser Rückhalt kam aber nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis langer und ausführlicher Gespräche. Denn kaum etwas ist so wichtig, wie der gemeinsame Dialog, um gemeinsames Schaffen zu realisieren. 

Zuletzt möchte ich dir erzählen, wo eigentlich diese 25.000 EUR Schritte herkommen.

3. Ein Hektar Permakultur-Plantage

Das Wort Plantage wird vielleicht nicht von jedem positiv assoziiert. Für mich ist es allein der Begriff für eine Fläche wo Bäume, Sträucher und andere mehrjährige Pflanzen in großer Nähe zueinander bewirtschaftet werden. Die Permakultur-Plantage ist somit die Zukunft der heutigen bspw. Monokultur-Apfelplantagen. 

Eine Permagold Permakultur-Plantage sind über 30 verschiedene Pflanzenarten von Obstbäumen, Beerensträuchern, Kräutern, Pilzen und ausgewählten Gemüsen. Die Zahl der Pflanzen geht hierbei in die tausende, da die synergetische Wirkung zwischen Pflanzen ja insbesondere durch Nähe und nicht durch Ferne entsteht. 

Zusätzlich müssen diese Pflanzen besonders in den ersten Jahren des Wachstums geschützt werden. Zum einen nach außen mit Hecken und auch einem Zaun gegen Wildverbiss (Rehe liebe junge Obstbäume, junge Obstbäume lieben aber keine Rehe). Zum anderen bspw. nach innen gegen Austrocknen durch ein pfiffiges, natürliches Wasserrückhaltesystem. Allein dann schaffen wir fruchtbare Ökosysteme, die sich Jahrzehnte selbst erhalten und uns gleichzeitig ernähren. 

Nicht vergessen dürfen wir die Arbeit der Menschen, die anpflanzen, pflegen und ab Jahr 3 bewirtschaften. Die Permakultur-Plantage trägt sich frühestens im 3. und spätestens im 4. Jahr selbst aus ihren Früchten. Bis dahin müssen wir die Pflege in die Investitionskosten einpreisen. 

All diese Aspekte zusammen genommen münden in den Investitionskosten von (ca.!) 50.000 EUR für einen Hektar Permakultur-Plantage. Der Clou dabei ist jedoch, dass wir in der Pflanzenwelt eh nicht alles in einem Ruck machen können. Die einen Pflanzen wollen im Herbst und die anderen Pflanzen im Frühjahr (manche gar im Sommer) gepflanzt werden. Ganz ehrlich, ich hatte bis vor zwei Jahren keine Ahnung, dass viele Bäume im Herbst gepflanzt werden! So können sie aber über den Winter wurzeln und im nächsten heißen Sommer Wasser aus tieferen Erdschichten saugen. 

Dieser natürliche Umstand ermöglich Permagold nun den Beginn der Permakultur-Plantage mit 25.000 EUR sauber zu stemmen und die Vollendung als auch Finanzierung der Wachstumsphase mit den zweiten 25.000 zu meistern. 

Ergo haben wir auch eine einfache Faustformel: ein Quadratmeter Permakultur-Plantage kostet 5 EUR. 

Dabei wird das Land jedoch nicht gekauft. Das wären weitere 10.000 bis 20.000 EUR pro Hektar und mit der aktuellen Landspekulation in Deutschland ist Land kaum verfügbar. Diese Aufgabe halten wir uns für die Zukunft. In Nebelschütz haben wir verlässliche Vertragspartner um Fläche sukzessiv und adäquat zu pachten. 

Denn natürlich bleiben wir nicht bei einem Hektar! *SMILEY*

Zu guter Letzt der Blick in die Arbeitsgruppen:

AG – Nebelschütz

> Folgetreffen

> Absprache Agroforst, Flächenverfügbarkeit

> Nachjustierung Kalkulation

AG – Investoren

> Neues Mitglied: Eric Schieblich

> Gespräche mit DBU, neue Erkenntnisse zu Förderbarkeit mit Folge der Nachjustierung

> Ansprache dreier weiterer Stiftungen

> Ansprache eines Landwirts

AG – Kommunikation

> Newsletter

AG – Permakultur

> Tür zur Stadt Dresden geöffnet 

> Recherche zu konkreter Umweltwirkung von Permakultur (klasse!) 

Damit genug für heute. Ich wünsche dir einen famosen Juli und Grüße herzlichst aus der Dresdner Neustadt

Mit herzlichen Grüßen aus Dresden

Karl

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