Permakulturplanung in der Praxis

Die beiden Permakultur-Designer Markus und Daniel geben Einblick in ihre Planungen am konkreten Beispiel der alten Gärtnereischule Leckwitz.

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Nach Bill Mollison und David Holmgren, zwei der Urväter der Permakultur, besteht der Unterschied der Permakultur zu gewöhnlichen landwirtschaftlichen Systemen in der ganzheitlichen, umfassenden aber dennoch genauen Planung. Ziel dieser Planung ist es, ein stabiles System zu erschaffen, in dem möglichst viele Arbeiten durch natürliche Kreisläufe oder Mechanismen übernommen werden und dennoch reichlich Erträge abgeworfen werden1. Das klingt einerseits logisch und sinnvoll, aber auch genauso schwammig. 

Um es mal konkret zu machen wird das System anhand der Planung der Permakulturfläche in der Gärtnerei in Leckwitz erklärt. Die alte Gärtnereischule wurde von uns, den beiden Permakultur-Planern Markus und Daniel, geplant. Auch bei anderen Projekten durften wir bereits unsere  Expertise teilen und gemeinsam mit den Eigentümern die Flächen nach Permakulturprinzipien designen. Nachhaltige Landwirtschaft darf in unseren Augen kein Geheimnis sein, deswegen beraten wir gern auf Wunsch Interessierte und Vorbilder. Dabei analysieren wir die vorhandenen Flächen und erarbeiten ein konkretes Bepflanzungskonzept.

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Permakulturelle Planung wird immer auf vorhandene Gegebenheiten angepasst und so haben wir die Fläche zunächst begutachtet: Der Großteil besteht aus einer Weide auf der Rinder grasen, es gibt dort noch einen Weinberg und ein Arboretum, also eine Fläche auf der verschiedene Nadelbäume stehen. Die drei Bereiche bringen verschiedene Eigenschaften mit sich, deswegen  beplanen wir sie separat. Fangen wir mit dem Arboretum an.

 

Das Arboretum – Beste Voraussetzungen für Beeren und den Spezialobstanbau

Die Nadelbäume, die dort schon seit längerer Zeit stehen, haben den Boden durch das Abwerfen der Nadeln versauert. Das heißt der pH-Wert des Bodens ist sehr niedrig, die meisten Pflanzen benötigen allerdings einen neutralen Boden. Die Versauerung des Bodens aufzuheben, wäre mit einigem Aufwand und Kosten verbunden. Deshalb wählen wir Pflanzen, die saure Böden benötigen: Heidel- und Preiselbeeren. Diese wachsen auch in der Natur in Nadelwäldern und fühlen sich somit im Arboretum richtig wohl2.

 

 

Der Weinberg in sonniger Hanglage

Eine Hanglage am Rande des Spezialobstanbaus ist nach Süden ausgerichtet und bekommt dadurch sehr viel Sonne ab. Perfekt für einen Weinberg. Um diese Sonneneinstrahlung auch bestmöglich zu nutzen, pflanzen wir auf dem Weinberg Wärmefallen. Das sind parallelbogenförmige Hecken mit einer Öffnung Richtung Süden. Je nördlicher die Bögen liegen, desto höher und breiter werden sie. In diesen Parallelbögen wird die Luft von der Sonne erhitzt und kann nicht von Winden weggeweht werden.

Diesen Effekt nutzen wir und legen vor den Öffnungen Teiche an. Diese reflektieren zusätzlich das Sonnenlicht und spiegeln es in die Wärmefallen weiter. So entsteht in jeder Wärmefalle ein sehr warmes Mikroklima. Vor allem besonders wärmeliebende Pflanzen fühlen sich hier wohl. Für uns bedeutet das, wir können Pfirsiche, Aprikosen, dreilappige Papaus – auch bekannt als Indianerbananen – Kiwis und Tafeltrauben kultivieren. Die Trauben setzen wir neben Hecken und Bäume, an denen sie entlang ranken können und sparen uns damit die Installation von zusätzlichen Kletterhilfen.

 

 

Ein Obstwald auf der Weidefläche

Der größte Teil der Fläche, die Weide, bietet recht gewöhnliche Voraussetzungen. Hier liegt der Fokus vor allem auf effiziente Flächenausnutzung. Diese wird durch ein Obst-Pilz-Wald-System erzielt. Beerensträucher werden südlich unterhalb von Reihen aus Obstbäumen wie Äpfeln, Birnen, Kirschen oder Pflaumen gepflanzt, so dass sie noch ausreichend Sonne bekommen. Auf der nördlichen Seite der Bäume werden Baumstämme eingegraben, die mit einem Pilzmyzel durchwachsen sind. Sie fühlen sich im Schatten sehr wohl und benötigen den Sonnenschutz, um nicht auszutrocknen. Auf ihnen wachsen später Speisepilze, wie Rosen-, Limonen- oder Austernseitlinge. Die gesamte Weidefläche wurde somit dreidimensional ausgenutzt: alle Pflanzen können auf der Fläche eng beieinanderstehen, da sie ihre Früchte in unterschiedlichen Höhen tragen.

 

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